Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


Webnews



http://myblog.de/christenkritiker

Gratis bloggen bei
myblog.de





Rechtsextreme Pädagogin freigestellt

Rechte Lehre SZ vom 13.6.2007

Gerne stimmte die Musiklehrerin aus Hamburg das Horst-Wessel-Lied an - allerdings nur in ihrer Freizeit. Deswegen hatte die Schulbehörde keine Handhabe gegen das NPD-Mitglied. Doch dann meldete sich die Pädagogin im WDR zu Wort.

Von Ralf Wiegand

Rechte Lehrerin Hamburg NPD

Hinweise aus der Innenbehörde und vom Amt für Verfassungsschutz hatte es angeblich schon vor Monaten gegeben. Die Hamburger Schulbehörde, hieß es da, habe wohl ein faules Ei im Nest.

 

Eine Lehrerin an der Grundschule Buckhorn im Stadtteil Volksdorf sei Mitglied in der rechtsextremen NPD, sogar für den Bundestag habe die Dame schon kandidiert. Tatsächlich findet sich der Name von Karin S., 46, auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl 2002 - damals segelte sie noch unter der Fahne der Republikaner, während sie schon seit 1992 Hamburger Grundschülern Musikunterricht gab.

 

Seit Dienstag ist damit Schluss: Die Schulbehörde hat der rechtsextremen Lehrerin schriftlich mitgeteilt, sie brauche nicht mehr zum Unterricht erscheinen; sie werde versetzt.

 

Auch ihr Ehemann Jochen S. ist seit dieser Woche öfter daheim. Der Lehrer an der Katholischen Grundschule Farmsen gehört der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Burschenschaft "Chattia Friedberg" an. Die Katholische Schulaufsicht hat ihn freigestellt.

 

Keine Handhabe

 

Rechtlich habe die Schulbehörde bisher gegen Karin S. nichts in der Hand gehabt, sagt Sprecher Alexander Luckow, "es gab bis letzte Woche keine Beschwerden". Dann allerdings meldete sich die bis dahin angeblich unauffällige Karin S. selbst zu Wort.

 

Unter falschem Namen, aber deutlich zu erkennen, trat sie in einer WDR-Reportage der Reihe Frau TV über rechtsextreme Frauen auf. Forsch forderte sie da zum Beispiel "Kindergeld nur für Deutsche" und parlierte treu-national über die "deutschen Ostgebiete unter polnischer Verwaltung".

 

Allerdings kannte sich S. in diesem, ihrem Deutschland wohl nicht gut genug aus - zumindest den Senderverbund der ARD unterschätzte sie offenbar. Denn der entlarvende Bericht durfte zwar nur im Einzugsgebiet des WDR gesendet werden, doch NDR-Kollegen recherchierten schnell den Namen von Karin S. und folgten der Spur in Hamburgs Schulbehörde.

 

Obwohl Karin S. nun aufgeflogen war, geschah zunächst: nichts. Die NPD ist nicht verboten, und Frau S. ließ zwar angeblich in ihrer Eigenschaft als Leiterin eines "Ostpreußischen Chores" gerne das Horst-Wessel-Lied anstimmen, nicht aber in der Schule.

 

Zudem ist die unbefristet angestellte Teilzeitkraft, die eine 25-Prozent-Stelle besetzt, nicht im Staatsdienst. Daher griff das Beamtengesetz nicht, das Staatsdiener auf die freiheitlich demokratische Grundordnung verpflichtet. Erst durch massive Beschwerden von Eltern nach Bekanntwerden der Geschichte und nach einem Gespräch der Schulleitung mit der angeblich uneinsichtigen S. fanden Juristen der Behörde ein Schlupfloch, um die Lehrerin zu disziplinieren.

Bruch des Schulfriedens

 

Das Hamburger Schulgesetz kennt den "Schulfrieden" - und der sei derart gestört, dass man Frau S. lieber in den Innendienst versetze.

 

Nun rätselt man im Hamburger Rathaus, wie die Lehrerin "durchrutschen" konnte. Eine Erklärung könnte sein, dass sich ihre rechtsextreme Gesinnung erst zeigte, nachdem sie schon im Schuldienst war.

 

Zudem, sagt Behördensprecher Luckow, herrsche bei Musik und Kunst Lehrermangel. Während in anderen Fächern pro Stelle bis zu vier Anwärter hohe Qualität in der Auswahl garantierten, sei Musik "ein echtes Problemfach".

 

Außerdem müssen Lehrer zwar ein großes Führungszeugnis vorlegen, über die politische Gesinnung gibt das aber nicht Auskunft. Auch der Verfassungsschutz kennt das Problem, dass sich Extremisten gerne hinter einer bürgerlichen Fassade verstecken und im Alltag nicht auffallen.

 

Mit der Entfernung des Ehepaares S. aus dem Schuldienst könnte die Affäre nun rasch beendet sein - allerdings streitet sich jetzt die Politik darüber, ob man nicht die Rechten hänge, aber die Linken laufenlasse. Nachdem die SPD voreilig nach dem Beamtengesetz gerufen hatte, ließ sich der schulpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Robert Heinemann, mit den Worten zitieren, er hätte sich gewünscht, "dass die SPD mit der gleichen Konsequenz in der Vergangenheit auch gegen Verfassungsfeinde von links vorgegangen wäre". So nannte er zum Beispiel Klaus Bullan, den Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der "einen Wahlaufruf für die PDS" unterschrieben habe.

 

Passend dazu liegen in der Bildungsbehörde angeblich Meldungen vor, wonach zwei Hamburger Lehrer bei den G-8-Krawallen in Rostock polizeiauffällig geworden sein sollen - sehr handfest, wie es heißt.

Quelle:
20.8.07 20:38
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung